Im „Kaffeesatz der Geschichte“? Die Ziele des Projekts

Der so genannte “Wiederaufbau” – politisch wie materiell – nach dem Zweiten Weltkrieg ist unzählige Male Gegenstand der wissenschaftlichen Forschung wie des sozialen Erinnerns gewesen. Im Verhältnis dazu ist den Vertreterinnen und Vertretern des gemeindlichen Lebens vor Ort viel weniger Aufmerksamkeit gezollt worden. Doch nicht nur das: Ihre Namen müssen heute weitenteils als vergessen angesehen werden. Allenfalls im familiären und im engeren lokalen Horizont lebt die Erinnerung an sie fort. Die Website „Demko – Demokratie kommunal“ widmet sich deshalb den eigentlichen Akteuren, den Mitgliedern der Stadträte.

Das Projekt versteht sich in erster Linie als eine Dokumentation im Sinne von Grundlagenforschung: Es werden Namen benannt und in einer medial zeitgemäßen Form zusammengetragen. Diese Vorgehensweise bietet die Grundlage für eingehendere Nachforschungen, seien diese auf einzelne Personen oder thematische Zusammenhänge gerichtet,   beansprucht aber nicht, eine Aufarbeitung der Landesgeschichte zu leisten.

Die Datenbank beansprucht auch nicht, ein biographisches Handbuch zu sein. Sie versteht sich als erster Schritt hin zur Aufarbeitung der kommunalen Demokratie, indem sie die Namen der Verordneten identifiziert und dokumentiert. Insofern ist nur bedingt von „Akteuren“ zu sprechen, da Art und Ausmaß von Aktivitäten nicht erhoben werden. Bislang liegen außerdem noch zu wenige biographische Informationen vor, als dass umfassendere Sozialprofile der Individuen und Gruppen gezeichnet werden könnten. Insbesondere sind die ohnehin nur sporadisch überlieferten Berufszugehörigkeiten der Stadträte nicht zu verlässlichen Schlüssen über deren soziale, materielle und lebensweltliche Positionierung geeignet.

Das Potential für eine integrative elektronische Plattform, an der sich alle Interessierten unter der Voraussetzung wissenschaftlich gesicherter Informationen beteiligen können, wird sich hoffentlich in der Zukunft erschließen.

Literatur

    • Arend, Rudolf, Bürger und kommunale Selbstverwaltung in Nordrhein-Westfalen seit 1945: Ein Beitrag zur Landesgeschichte (= Europäische Hochschulschriften, Reihe 3‚ Bd. 1074), Frankfurt am Main u.a. 2010.

    • Emmerichs, Simone / Feldmann, Romy, Rheinland-Pfalz regional: Neustadt an der Weinstraße, in: Statistische Monatshefte Rheinland-Pfalz 5 (2010), S. 339–351 [online].

    • König, Julia, Frauen in der Kommunalpolitik – Frauenanteil in den kommunalen Parlamenten 2009 weiter gestiegen, in: Statistische Monatshefte Rheinland-Pfalz 9 (2009), S. 666–672 [online].

    • Mecking, Sabine / Wirsching, Andreas (Hgg.), Stadtverwaltung im Nationalsozialismus. Systemstabilisierende Dimensionen kommunaler Herrschaft, Paderborn 2005.

     

    Verfasser: Stephan Laux (Stand: 27.7.2023)